5 Tipps zum Beten in der Depression
Artikel von Samantha Animo. Aus den MindSpirit-Archiven wiederhergestellt.
Ich glaube fest an die Kraft des Gebetes, das heilen, trösten, stärken und unserem großartigen Gott Lob und Ehre darbringen kann. Gleichzeitig leide ich an schwerer Depression und Angst. Wenn ich ängstlich bin, zieht es mich oft zum Gebet, um Trost zu suchen und mir zu helfen, zu unterscheiden, was getan werden muss. Die Depression hingegen ist oft eine ganz andere Geschichte. Obwohl meine Symptome von „Niedergeschlagenheit" bis hin zur völligen Handlungsunfähigkeit reichen, wende ich mich sehr oft weder mit dem Herzen noch mit dem Verstand Gott zu. Ehrlich gesagt weiß ich nicht genau, wohin sie sich wenden. Und doch habe ich im Laufe der Jahre – durch die Gnade Gottes – bestimmte „Hilfsmittel" entwickelt, um auch dann zu beten, wenn mein Geist leer, mein Herz dunkel und mein Leib erschöpft ist. Ich möchte einige davon mit Ihnen teilen, in der Hoffnung, dass sie Ihnen Frieden bringen.
(1) Gewohnheit erwerben
Wie gesagt, wenn Sie ängstlich sind, kann es sein, dass Sie sich aus einem liebevollen Verlangen heraus oder aus dem Wunsch, alles dem Herrn zu überlassen, zum Gebet gedrängt fühlen. Je nach Schwere der Depression hingegen verspüren Sie vielleicht überhaupt keinen Wunsch zu beten. Es ist wichtig, es dennoch zu versuchen. Es ist so wesentlich, die Tugend des Eifers im Gebetsleben aufzubauen, sodass man die heilige Gewohnheit erwirbt, sich täglich Gott zuzuwenden. Je tiefer Ihr Gebetsleben verwurzelt ist, desto länger trägt es Sie durch eine depressive Phase, unabhängig davon, wie Sie sich fühlen.
(2) Veränderung wagen
Scheuen oder schämen Sie sich nicht, etwas zu verändern, um Ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Vielleicht müssen Sie etwas länger schlafen, sodass Ihr Gebet etwas später und kürzer ausfällt. Vielleicht beginnen Sie, eine andere Messe zu besuchen, die ruhiger und zu einer besseren Zeit stattfindet. Meditieren Sie normalerweise, können aber jetzt nicht einmal einen klaren Gedanken fassen? Wählen Sie ein heiliges Bild, oder noch besser: Setzen Sie sich vor das Allerheiligste Sakrament und verweilen Sie einfach im Anschauen. Ich kann die Stunden nicht zählen, die ich damit verbracht habe, meine Gebete zu „fühlen". Mit anderen Worten: Ich raffe die Kraft zusammen, um beim Herrn zu sein – und nichts weiter. Auf diese Weise bringe ich meinen Wunsch und meinen Willen zum Ausdruck, ihm alles zu überlassen, und die Depression selbst wird zum Gebet.
(3) Gebeten zuhören
Ich finde es hilfreich, dem Rosenkranz oder anderen Gebeten zuzuhören, wenn mein Geist zu träge ist, um ein Ave Maria zu formulieren, oder wenn mein Gebetswille so gering ist, dass ich nur die geistliche Energie aufbringe, zuzuhören. Auch hier bin ich – so gut ich kann – bereit, Zeit mit ihm zu verbringen, und das ist tatsächlich ein großer Akt der Liebe. Wenn wir unseren Willen einsetzen, uns ihm zuzuwenden, mehr oder weniger frei von Gefühl und Verlangen, so ist das vielleicht unser größter Liebesakt und unser innigtes Gebet.
(4) Kurze Gebete sprechen
Zu jeder Zeit, aber besonders fruchtbar finde ich es in Zeiten der Depression, empfiehlt es sich, kurze Stoßgebete zu sprechen. Dies ist vor allem dann möglich, wenn die Depression Schmerz bereitet, Sie aber dennoch die Kraft aufbringen, um Hilfe zu bitten, das Kreuz zu tragen, und – wenn Sie möchten – den Herrn zu bitten, Ihre Last zu erleichtern. Diese kurzen Gebete können uns daran erinnern, was wirklich wichtig ist, und unsere Bereitschaft erneuern, unsere Kämpfe mit Jesus in seinem Leiden zu vereinen. Zu meinen liebsten Gebeten gehören:
„Jesus, Maria und Josef, ich liebe euch, rettet die Seelen!"
Und vielleicht mein liebstes: „Hilf!!!"
(5) Beharrlich bleiben
Ich wünschte, ich könnte sagen, dass ich einen Weg gefunden habe, immer zu beten – und immer gut zu beten. Ich würde Ihnen gerne mitteilen, dass es eine Methode gibt, die das Beten mit Depression zu einer Freude macht, das Gebet verbessert und die Depression lindert. Leider kann ich nichts dergleichen berichten. Glücklicherweise KANN ich sagen, dass der Aufbau der Gewohnheit Ihr Gebetsleben auch durch die Dürrezeiten der Depression trägt. Es gibt keinen einzig richtigen Weg zu beten, und unsere Methoden und Stile verändern sich im Laufe des Lebens – mitunter sogar von Tag zu Tag. Ein Grund für Veränderungen kann sein, mit der Depression zu leben und zu beten. Dafür braucht man sich nicht zu schämen. Sich anzustrengen, und sei es nur, um einem Gebet zuzuhören, ist ein kostbarer Liebesakt; unterschätzen Sie diese innigen Gebete niemals. Rufen Sie schließlich Gott und Unsere Liebe Frau in Ihren eigenen schlichten Worten oder kurzen Wendungen an. Diese können kraftvolle Erinnerungen und geistliche Stützen auf dem Weg durch die Depression sein.